Die Farbeindringprüfung ist ein weiteres Verfahren zur Oberflächenrissprüfung, und kann sowohl an ferro-
magnetischen, als auch nicht ferromagnetischen Werkstoffen durchgeführt werden.

Für diese Prüfung müssen die Risse bzw. Ungänzen zur Oberfläche hin geöffnet sein, unter der Oberfläche
liegende Fehlstellen können mit der Farbeindringprüfung nicht nachgewiesen werden.

Noch mehr als bei der Magnetpulverprüfung, muss hier auf eine gut vorbereitete, peinlichst saubere und blanke Prüfstückoberfläche geachtet werden.

Da die Prüfung nach dem physikalischen Prinzip der Kapillarwirkung funktioniert, können kleinste Rückstände
von Öl, Reinigungsemulsion, Rost, Zunder oder Verunreinigungen, feine Risse verstopfen und das Ergebnis der Prüfung stark verfälschen oder ganz zu nichte machen.

Für ein korrektes Prüfergebnis ist es erforderlich, nicht nur während der Vorreinigung des Prüfobjektes, sondern auch bei jedem der folgenden Prüfschritte, absolut akkurat und penibel zu arbeiten. Die Durchführung der Prü-
fung gestaltet sich folgendermaßen:

Nach der gründlichen Vorreinigung der Oberfläche des Prüfstückes und anschließender Trocknung, wird das Farbeindringmittel aufgetragen.

Ist die für den jeweiligen Werkstoff vorgeschriebene Eindringzeit abgelaufen, welche zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden liegen kann, wird das verbliebene Eindringmittel wieder vom Werkstück entfernt.

Dies kann je nach Verfahren und Prüfmittelsystem, auf verschiedene Weise erfolgen. Ist die Zwischenreinigung
der Oberfläche, inklusive anschließender Trocknung, abgeschlossen, kann der Entwickler aufgebracht werden.

Dazu sprüht der PT-Prüfer eine möglichst dünne Entwicklerschicht auf. Sobald der Entwickler getrocknet ist,
kann die erste Auswertung erfolgen.

Die zweite und abschließende Auswertung, findet am Ende der vorgeschriebenen Entwicklungszeit statt.

Sind Risse oder Poren vorhanden, werden sie durch das farbige Eindringmittel auf der weissen Entwicklerschicht
gut sichtbar hervorgehoben.

Da in den meisten Fällen ein rotes Penetriermittel verwendet wird, wird dieses Prüfverfahren auch gerne " Rot-Weiss-Prüfung" genannt.

Obwohl die Farbeindringprüfung gut zum Nachweis von Oberflächenfehlern geignet ist, sollte bei ferromagne-
tischen Werkstoffen - soweit die Geometrie des Prüfobjektes es zulässt und keine rundlichen Ungänzen wie
Poren etc. nachgewiesen werden sollen - der Magnetpulverprüfung der Vorzug gegeben werden.

Diese ist wesentlich unaufwändiger (zeitlich und arbeitstechnisch), sauberer und durch höhere Anzeigen-
empfindlichkeit in den meisten Fällen aussagekräftiger.